Verkehrswege Schiene und Wasser

Keine Insel mit zwei Bergen, aber rund 10 Bahnkilometer zwischen dem Werk Lägerdorf und Itzehoe mit drei Bahnhöfen und diversen Gleisen - das ist das Arbeitsumfeld von Kai Jensen, der seit 20 Jahren für Holcim in Lägerdorf arbeitet und in Personalunion als Lokführer, Rangierleiter und stellvertretender Eisenbahnbetriebsleiter arbeitet. Seit einiger Zeit gibt es für Ihn noch mehr Arbeit: Das Zementwerk Lägerdorf setzt seit 2009 verstärkt auf den Verkehrsweg Schiene und hat im Jahr 2010 mit einer zusätzlichen Rangierlok Verstärkung erhalten.

Mit der zweiten Lok wird die hohe Verfügbarkeit der eigenen Rangierkapazitäten gesichert. Bislang war die zweite Lok in Lägerdorf nur sporadisch im Einsatz. Aufgrund des stark angestiegenen Bahnverkehrs wurde die Lok im Ausbesserungswerk Bleckede bei Lüneburg für den neuen Einsatz vorbereitet.

Die Krupp-Diesellok (Baujahr 1962, 230 PS, Deutz V12 Motor) hatte 2010 ihre eisenbahnamtliche Hauptuntersuchung im Werk Bleckede der Osthannoverschen Eisenbahn AG erfolgreich bestanden. Mit Lok-TÜV und einer neuen Holcim-Lackierung ging es per Tieflader und Begleitfahrzeug über die Autobahnen und durch den Elbtunnel zurück nach Lägerdorf ins Holcim-Werk. Auf dem Gelände fand dann die Entladung und Eingleisung am alten Pförtnerhaus statt. Gleich zwei Kräne waren nötig, um den 28 Tonnen-Koloss mit einem Tandem-Hub vom Tieflader auf das Gleis 4 zu setzen.

Holcim Deutschland nutzt seit 2009 vermehrt den Verkehrsweg Schiene. Beispielsweise nahm das Rohrummantelungswerk der Firma Eupec für die mittlerweile fertig gestellte Ostseepipeline Nord Stream im April 2009 auf der Insel Rügen den Betrieb auf. Das europäisch-russische Konsortium Nord Stream AG begann im Frühjahr 2010 mit dem Bau der über 1.200 Kilometer langen Erdgastrasse vom russischen Wyborg nach Lubmin bei Greifswald. Im Mukraner Eupec Werk wurden etwa zwei Drittel der für den ersten Leitungsstrang benötigten rund 100.000 Rohre mit einem Betonmantel versehen und so für die Verlegung vorbereitet. Holcim Deutschland übernahm bei diesem Großprojekt die Zementversorgung für den Spezialbeton. So belieferte das Werk Lägerdorf per Zug das Rohrummantelungswerk auf der Insel Rügen.

Eine individuelle Kundenlösung für die Logistik sorgt bei dem Projekt Nord Stream für eine hohe Versorgungssicherheit per Bahn und damit für eine synchrone Taktung mit den Produktionsbedürfnissen. Im Rahmen dieses Projektes wurden im Werk Lägerdorf strategisch wichtige Ausbauarbeiten für den Bahnverkehr vorgenommen, unter anderem durch die Errichtung einer Zement-Bahnverladung. Dies eröffnet für die Zukunft weitere Möglichkeiten, um Kunden individueller und wirtschaftlicher über den Schienenweg zu versorgen. Wir haben hier eine rollende Zement-Pipeline geschaffen, die zugleich merklich die Umwelt entlastet: Bei 2.800 Tonnen wöchentlicher Liefermenge per Schiene werden allein 101 LKW-Fahrten bzw. rund 50.000 Straßenkilometer pro Woche eingespart.