10. Holcim Beton-Forum "Beton und Infrastruktur"

 

Rund 190 interessierte Kunden, Architekten und Planer sowie VertreterInnen von Behörden und Forschungseinrichtungen versammelten sich am zweiten November zum zehnten Beton-Forum der Holcim (Deutschland) AG im Museum Marta Herford.

 

Wie in den vergangenen neun Jahren bot Holcim seinen Kunden auch beim diesjährigen Betonforum die Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Für spannende Einblicke in das breite Themengebiet „Beton und Infrastruktur‘‘, sorgten die Vorträge von sechs renommierten Referentinnen und Referenten, die auch in den Pausen zu intensivem Austausch einluden.

Jens Diebold, Vorstandsvorsitzender der Holcim (Deutschland) AG, eröffnete das Forum dem Motto entsprechend mit den Worten: „Beton ist ein faszinierender Baustoff und unsere Infrastruktur ist ohne Beton nicht denkbar.“ In seiner Rede verdeutlichte er zudem, dass der Baustoffkonzern Holcim auch nach den weitreichenden nationalen und internationalen Unternehmensvergrößerungen dieses Jahres besonders großen Wert auf den Erhalt der Regionalität der einzelnen Geschäftsbereiche legt. Anschließend übergab er das Wort an Dr. Heiko Stiepelmann.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Recht vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. verschaffte den Gästen einen Überblick zum Thema „Sanierungsstau in der Infrastruktur“. Er hielt fest, dass die deutsche Infrastruktur im internationalen Vergleich bisher gut abschneidet, seit Jahren jedoch kontinuierlich abfällt. Ein erster gemeinsamer Erfolg der Baustoff- und Bauindustrie sei jedoch erreicht, sagte Stiepelmann, da Öffentlichkeit und Politik das Problem mittlerweile anerkennen und zunehmende Handlungsbereitschaft zeigen würden. Dies sieht Stiepelmann als ersten wichtigen Schritt, um die Infrastruktur als internationalen Standortvorteil für Deutschland zu erhalten.

Dr.-Ing. Heinrich Best, geschäftsführender Gesellschafter der BEST consulting GbR und Mitglied der Reformkommission „Bau von Großprojekten” des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, stellte als zweiter Referent des Tages in einer Situationsanalyse mit Handlungsempfehlungen Großprojekte in Deutschland vor. „Entgegen der Medienmeinung wird die Mehrzahl aller Großprojekte in Deutschland im zeitlichen und finanziellen Rahmen erfolgreich realisiert“, so Best. Damit auch zukünftige Projekte erfolgreich verlaufen und nicht den Negativbeispielen von Stuttgart 21 oder dem Neubau des Berliner Flughafens folgen, empfiehlt er unter anderem, die Bürger von Beginn an in die Projekte mit einzubeziehen und grundsätzlich erst zu planen und dann zu bauen.

Die Empfehlungen Ihres Vorredners hat Andrea Blome als Amtsleiterin für Verkehrsmanagement in Düsseldorf und damit Hauptverantwortliche für den Bau der Wehrhahn-Linie und des Tunnelsystems am Kö-Bogens, beachtet. Sie gab Einblicke in die 2007 begonnene Planungs- und Bauphase der neuen Verkehrswege und konnte stolz berichten, dass der Fertigstellungstermin im kommenden Februar gehalten werden kann. „Bei diesem hochkomplexen infrastrukturellen Bauprojekt hat die Kommunikation mit Bürgern, Behörden, Mitarbeitern und Dienstleistern vom Anfang bis zum Ende höchste Priorität, was einen Teil des Erfolgs ausmacht“, sagte Blome. Zu ihrem Erfolgsrezept gehören zudem die Bündelung aller Kompetenzen unter einem Dach und eine gute und flexible Projektleitung.

Ein weiteres positives Praxisbeispiel stellte Prof. Dr.-Ing. Karsten Körkemeyer, Dozent für Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Kaiserslautern mit den Fachgebieten Baubetrieb und Bauwirtschaft, vor. Er berichtete von dem Bau des Emscherkanals im Ruhrgebiet und seiner Nebenflüsse. „Die Gewässer dienten bisher als Transportwege und Abwasserkanäle für die ansässige Industrie“, so Körkemeyer. „Unser Ziel ist es, die Flüsse zu renaturieren und an Natur und Mensch zurückzugeben.“ Eine besondere Herausforderung war die Wahl des richtigen Materials für die Abwasserkanäle, da dies langfristig der permanenten Säurebelastung standhalten muss. „Als beste Lösung hat sich für uns ein speziell entwickelter Hochleistungsbeton herausgestellt“, sagte Professor Krökemeyer.

Prof. Dr.-Ing. Matthias M. Middel, Mitarbeiter des InformationsZentrums Beton GmbH und Lehrbeauftragter für Werkstoffe des Bauwesens an der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der TU Dortmund, führte mit seinem Beitrag zum Thema „Hochspannung unter der Erde – Neue Wege zur Energiewende“ ein weiteres Beispiel an. ”Deutschland bezieht angesichts des Atomausstiegs immer mehr Strom aus alternativen Energiequellen“, sagte Middel. „Diese Energie muss zu den Bürgern gebracht werden.“ Da gängige Freilandleitungen bei der Bevölkerung häufig auf Protest stoßen, arbeitet er an alternativen Lösungen. Zukünftig soll der Strom unterirdisch durch große Rohrleitungen transportiert werden. Auch bei diesem Projekt fällt die Wahl auf einen speziellen Hochleistungsbeton.

Der sechste Vortrag befasste sich mit dem Einsatz des Baustoffes Beton im Verkehrswegebau und wurde von Dipl.-Ing. Thomas Wolf, dem Vorsitzenden der Gütegemeinschaft Betonbauweise sowie Oberbauleiter bei der STRABAG Großprojekte GmbH, gehalten. Herr Wolf zeigte die Grundzüge der Betonbauweise auf. Eindrucksvoll verdeutlichte er die Vorzüge gegenüber anderen Bauweisen. Vorteilhaft ist Beton demnach vor allem bei der langfristigen Betrachtung. Wie eingangs bereits durch den Vertreter des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie aufgezeigt, liegt das vor allem in der konkurrenzlosen Lebensdauer und niedrigen Wartungsintensität der Fahrbahndecken, weshalb vor allem öffentlich-private Baupartnerschaften (ÖPP) darauf zurückgreifen, wie Wolf ausführte.

Das zehnte Holcim Beton-Forum fand im Museum Marta Herford statt, das 2015 ebenfalls zehnjähriges Jubiläum feiert. Der Veranstaltungsort präsentiert auf beeindruckende Weise die Vielfältigkeit des Bauens mit Beton, ist es doch im Kern ein umgenutztes Altindustriebauwerk in Stahlbetonbauweise. Es wurde von Frank Gehry in bewegender Weise um organische, wogende Elemente angereichert. Die TeilnehmerInnen des Beton-Forums ließen sich von dieser künstlerischen Umgebung in den Pausen zu vertiefenden Diskussionen anregen und nutzten das Beton-Forum zur Vernetzung untereinander. Das nächste Beton-Forum wird am Montag, 7. November 2016 stattfinden und das Motto “Beton und Systembauweisen” vertiefen.