9. Holcim Beton-Forum "Beton und Städtebau"

 

Über 280 geladene Gäste folgten der Einladung zum 9. Holcim Beton-Forum in der HafenCity Universität Hamburg. Unter dem Motto “Beton und Städtebau” gaben sieben Referenten aus den Bereichen Stadtentwicklung, Architektur, Wissenschaft und Journalismus spannende Einblicke in verschiedenste Aspekte von Stadtplanung und sozialer Entwicklung.

Die HafenCity Universität bot im Herzen von Europas größtem innerstädtischen Stadtplanungprojekt den perfekten Schauplatz für das Holcim Beton-Forum mit dem diesjährigen Thema “Städtebau”. Das in diesem Jahr fertiggestellte Universitätsgebäude lud mit seinem modernen und inspirierenden Ambiente ein, sich mit Branchenkollegen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Im Holcim Auditorium berichteten renommierte Referentinnen und Referenten von rapide wachsenden Herausforderungen städtischer Räume und wie diese durch nachhaltige Ansätze und Projekte bewältigt werden können.

Professor Jörn Walter, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, gab einen Überblick zum Themenfeld “Hamburg 2030 - Konzepte und Projekte”. Der immer weiter wachsenden Stadtbevölkerung mit einer kontinuierlichen Stadtausweitung entgegenzutreten, sei im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen müsse man sich auf die Verdichtung des Stadtinneren konzentrieren und “mehr Stadt in der Stadt” schaffen, so Walter. Wichtig sei bei allen Maßnahmen, dass die Lebensqualität steige. Er stellte langfristig angelegte Projekte in der Hansestadt vor, die diesen Anforderungen gerecht werden.


Uwe Bodemann, Stadtbaurat der Landeshauptstadt Hannover, stellte anschließend die Projekte “Hannover City 2020+” und “Mein Hannover 2030” vor. Im Mittelpunkt stand das Erweiterungspotential für die Hannoversche Alt- und Innenstadt. Durch die intelligente Vermischung von Wohnen und Arbeiten in der Vertikalen (in Gebäuden selbst) und Horizontalen (über Stadtviertel hinweg) sei Hannover auf einem guten Weg, urbane Entwicklung noch nachhaltiger zu gestalten.

Der nächste Vortrag führte dann in ein ganz konkretes Projekt und gleichzeitig in die politische Dimension von Städtebau: Ulrike Rose und Tim Edler referierten zum Thema “Flussbad Berlin - vom Grassroot Projekt zum Metropolendiskurs”. Durch die Schaffung öffentlichen Raumes am Spreeufer und einer Schwimmmöglichkeit in der Berliner Innenstadt soll “die Idee der nachhaltigen Stadt im Zentrum Platz nehmen”, so Eder. Das Projekt, das im Jahr 2012 mit dem Bronze Award der Holcim Foundation ausgezeichnet wurde, zeigt, wie ein städtebauliches Projekt einen großen Kreis von Menschen bereits in der Planungsphase einbeziehen kann.

Prof. Dr. Michael Braungart, wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstitutes, wusste im Anschluss mit seiner unterhaltsamen und ansprechenden Präsentation das Bewusstsein für das von ihm entwickelte Konzept “Cradle to Cradle” (deutsch: Wiege zu Wiege) zu stärken. Im Kern des “Cradle to Cradle”-Prinzips steckt die Idee, von Anfang an in abgeschlossenen Produktkreisläufen zu denken und auf diese Art erst gar keinen Müll im herkömmlichen Sinn entstehen zu lassen. Begriffe wie ökologisch, umweltfreundlich oder nachhaltig, auch Kategorien wie “besser” oder "ein bisschen weniger schlecht" werden obsolet.


Die Berliner Journalistin Myrta Köhler berichtete von fünf kleineren Städten und Stadträumen in Deutschland mit fünf verschiedenen Herausforderungen und wie diese durch nachhaltige Städtebau-Maßnahmen bewältigt werden. Starke Abwanderung von Bevölkerung und Industrie, Verarmung und Leerstand und sogar die Konversion früherer Militärareale stellen für Stadtplaner, Architekten und Bauingenieure eine große Herausforderung dar. Eine stärkere Einbindung von Wirtschaft, Forschung und Kultur soll diese Orte wieder für junge Menschen und Privatinvestoren attraktiv machen.

Abgerundet wurde die Veranstaltung von Prof. Markus Hengstschläger, Genetiker an der Medizinischen Universität Wien, der über individuelle Talentförderung im Team sprach. In einer sich immer schneller entwickelnden Welt sei Individualität die einzige Lösung, der unsicheren Zukunft erfolgreich zu begegnen. Mit vielen bildlichen Beispielen stellte er kurzweilig fest, dass “ein Seil aus vielen dünnen Schnüren stärker ist als eine dicke Schnur allein”.


Viele Teilnehmer werden sich im nächsten Jahr bei der zehnten Auflage des Forums wiedersehen. Die Planungen hierfür haben bereits begonnen: Anvisiert wird ein Standort im Westen Deutschlands unter dem Motto “Beton und Infrastruktur”.