Zeit, um Antworten zu liefern

4 November 2020
 

Das 14. Holcim Bau-Forum, erstmals als virtuelle Konferenz, brachte Vertreter verschiedener am Bau beteiligter Branchen zusammen. Aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln wurden die Herausforderungen hinsichtlich nachhaltiger und klimafreundlicher Lösungen diskutiert. Und auch in digitaler Umgebung gab es Raum für Austausch und Netzwerken.

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2020 gilt mehr denn je: Besondere Zeiten bringen besondere Maßnahmen. Positiver formuliert: Sie bieten besondere Gelegenheiten. Und so bot sich Holcim in diesem von der Pandemie bestimmten Jahr die Gelegenheit, das Holcim Bau-Forum bei seiner 14. Auflage erstmalig nicht als Präsenzveranstaltung, sondern als Internet-Konferenz anzubieten. Deshalb versammelten sich am Nachmittag des 2. November nur wenige Menschen im Fernsehstudio in Hannover, dafür aber rund 200 weitere Teilnehmer an ihren digitalen Endgeräten, um interessante Vorträge zum Thema “Nachhaltig Planen und Bauen mit Beton“ zu erleben. Und tatsächlich auch, um zu netzwerken - aber dazu später. 

 

 

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Foto: Jana Markwort/vor-ort-foto.de

Der Architekt und Gewinner des LafargeHolcim Awards 2012 Francis Keré begrüßte die Teilnehmer des Bau-Forums mit einer sehr persönlichen Videobotschaft. Darin rief er alle Bauschaffenden dazu auf, für mehr Nachhaltigkeit eng zusammenzuarbeiten, gemeinsam besser zu planen und dabei auch schon frühzeitig die Wahl des Baumaterials zu bedenken. “Dann werden wir erfolgreich den Menschen dienen!”, so Keré. Die dafür nötige Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten spiegelte auch das breite Feld der Referenten wider: Vom Investor über den Architekten bis zum Baustoffproduzenten.  

In seiner Eröffnungsrede nahm Holcim Deutschland CEO Thorsten Hahn die von Francis Keré gelegten Fäden auf, indem er das Credo der LafargeHolcim Foundation zitierte: “Nachhaltigkeit bedeutet, in Zukunft mehr zu bauen, aber weniger zu verbrauchen.” Hieraus leitete er den gemeinsamen Auftrag für die Branche ab: “Wenn wir das als Teil der Bauwirtschaft nicht aufzeigen, wer soll es dann machen?”  


Mehr mit weniger bauen

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Foto: Jana Markwort/vor-ort-foto.de

Thorsten Hahn erklärte, welchen Stellenwert das Thema Klimawandel heute beim Holcim Mutterkonzern hat: "LafargeHolcim unterzeichnete im Oktober als erster globaler Baustoffkonzern die „Business Ambition for 1.5°C“ der Science Based Targets Initiative (SBTi) und unterstreicht damit den Führungsanspruch für nachhaltiges Bauen mit innovativen Lösungen." Thorsten Hahn erläuterte, was das ganz praktisch für Holcim Deutschland bedeutet: “In den letzten Jahren haben wir Fragen gestellt, wie das Bauen der Zukunft aussehen kann oder wie unsere Baustoffe nachhaltiger und umweltfreundlicher werden können. Heute wollen wir Antworten geben. Wir wollen zeigen, dass wir nicht über eine ferne Zukunft reden, sondern schon heute Lösungen haben, die wir umsetzen können.” Um solche Lösungen und Ansätze ging es dann in den Fachvorträgen.  

Roland Bechmann, Vorstand und Partner der Werner Sobek AG, schilderte aus der Sicht der Architekten und Planer, wie und wo beim Thema CO2 angesetzt wird. Es gelte, die “grauen Emissionen” in den Blick zu nehmen, also jene, die durch Bau, Instandhaltung und Rückbau von Gebäuden entstehen. Durch Optimierungen der Bauteile ließe sich viel Material und damit CO2 einsparen, etwa mit Gradientenbeton, wo Material nur genau da eingesetzt wird, wo die statische Auslastung dies auch benötigt. Bei der Baustoffwahl gehe es nicht um ein Gegeneinander verschiedener Materialien wie Holz oder Stahlbeton. Stattdessen müsse man jedes Bauteil hinsichtlich der CO2-Einsparung optimieren und so jeweils den perfekten Baustoff für jede Bauanwendung finden. Um dies attraktiv zu machen forderte er wie schon Thorsten Hahn: “Wir müssen über die Bepreisung des CO2 nachdenken!”. 


Heute handeln!

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Roland Bechmann, Vorstand und Partner der Werner Sobek AG

Anschließend referierte der Architekt Nils Nolting von Cityförster (Architekten, Ingenieure und Stadtplaner) über “Carbon Based Design - von der Vision zur Realisierung”. In seinem Vortrag ging er darauf ein, dass heute viel zu häufig Gebäude abgerissen und neu gebaut werden, statt Weiter- oder Umnutzung zu forcieren. Die Cityförster haben in Hannover ein Recyclinghaus realisiert. Nolting schilderte, wie dabei die Möglichkeiten und Potenziale verschiedenster Arten von Recycling im Reallabor ausgetestet werden und ein kreislauforientierter und ressourcenschonender Planungsansatz verfolgt wurde. 

Unter der Überschrift “Grüne Dividende - wie Nachhaltigkeit zum Investment-Prinzip wird” zeigte Robert Kitel, Head of Sustainability & Future Research, den Nachhaltigkeitsansatz der Alstria Office REIT-AG aus Hamburg auf. Das Unternehmen investiert in Büroimmobilien in den großen deutschen Wirtschaftszentren und hat Low-Carbon Prinzipien aufgestellt, die der Dekarbonisierung des Immobilienportfolios zugrunde liegen. Kitel räumte aber ein: Für die Aktionäre steht weiterhin die Renditeerwartung an erster Stelle. Im September stimmten die Anteilseigner für die Auszahlung der angebotenen “grünen Dividende”, die andernfalls für die Beschleunigung der Dekarbonisierung eingesetzt worden wäre. Die Entscheidung für die Dekarbonisierung sieht Kitel dennoch auch wirtschaftlich als absolut notwendig an: “Wir müssen heute handeln, nicht erst wenn der Druck noch größer wird!”  


Sechs Messestände und eine Lounge

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Nach so viel Input ging es in die Pause. Hier gab es jede Menge Möglichkeiten zur Information und zum Austausch. Leider konnte den Gästen hier entgegen der Gepflogenheiten früherer Bau-Foren weder Kaffee noch Kuchen gereicht werden - hoffentlich fand sich Ersatz in Büro- und Homeoffice-Küchen! In der virtuellen Veranstaltungslocation konnte man derweil sechs Messestände zu verschiedenen Holcim Produkten und Lösungen besuchen, an denen fachkundiges Personal auf die Teilnehmer wartete und Informationsmaterial auslag. Die Networking-Lounge bot mit Chatrooms Raum für den Austausch untereinander.  

“CPC: die neue Messlatte beim ressourceneffizienten Bauen mit Beton”, hieß es nach der Pause. Prof. Josef Kurath, Professor für Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften dozierte über “eine neue Betonbauweise”. CPC steht für Carbon Prestressed Concrete. CPC-Platten sind mit dünnen vorgespannten Carbonlitzen bewehrt. Da Carbon eine sehr hohe Zugfestigkeit aufweist und nicht korrodiert, können tragfähige dünne Betonplatten hergestellt werden. Aufgrund des wesentlich geringeren Materialbedarfs können durch deren Verwendung deutliche Ressourceneinsparungen erzielt werden. Die beeindruckenden Forschungsergebnisse und praktischen Erfahrungen aus der Schweiz sorgten für einige Nachfragen aus dem Teilnehmerkreis. Wie schon Holcim CEO Thorsten Hahn in seinem Grußwort kündigte auch Prof. Kurath an, dass Holcim im vierten Quartal 2021 als erster Anbieter auf dem deutschen Markt in einem Fertigteilwerk CPC-Platten in Serie herstellen wird.  

Zum Abschluss des Bau-Forums zeigten Vertreter von Holcim in zwei Beiträgen, was Thorsten Hahn mit seiner Ankündigung von “Antworten” gemeint hatte, die bereits startklar sind. Zunächst gab es eine von der Moderatorin Silke Leinweber geleitete Diskussion mit den im Studio anwesenden Holcim Mitarbeitern Werner Spilles, Director Readymix, Marc Holberg, Leiter Baustofftechnik Transportbeton und Dr. Mathias Höppner, Leiter Technisches Marketing. “Keine Zukunftsmusik mehr: klimaneutral betonieren mit ECOPact Zero” lautete die Überschrift der Diskussionsrunde. Das Trio erklärte das Prinzip der klimafreundlichen ECOPact Serie, in der dank einer optimalen Betonzusammensetzung und Verwendung von CO2-reduzierten Zementen die CO2-Bilanz nochmals deutlich reduziert wird. Bei ECOPact Zero werden zusätzlich die prozessbedingten CO2-Emissionen durch regionale Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen (Weitere Infos: www.holcim.de/ecopact). 


Das klimaneutrale Zementwerk - keine Utopie

Um jene prozessbedingten CO2-Emissionen ging es dann im letzten Beitrag des Tages. Daniel Reiser, Holcim Director Cement Industrial Performance, stellte das wohl ambitionierteste Projekt der deutschen Zementindustrie vor: “Westküste 100: auf dem Weg zum klimaneutralen Zementwerk”. Daniel Reiser erklärte, wie im Zementwerk Lägerdorf das abgetrennte CO2 einer weiteren Verwendung zugeführt werden soll und Teil eines Wirtschaftskreislaufs mit weiteren industriellen Partnern wird. Dieses Projekt ist keine Utopie, sondern hat bei Holcim intern das Ziel, 2028 Realität zu sein.  

Wie bereits bei der Kaffeepause konnte abschließend leider nicht für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt werden. Trotzdem fanden sich noch viele Teilnehmer an den Infoständen und in der Networking-Lounge ein, um die Austauschmöglichkeiten zu nutzen. Die traditionelle Veranstaltung war auch in neuem Gewand ein voller Erfolg und die Themen waren und bleiben spannend. Es ist sehr spannend zu sehen, wie die Branche beim Thema Nachhaltigkeit in Bewegung ist - im nächsten Jahr dann vielleicht auch wieder als Präsenzveranstaltung. Den ersten Montag im November sollte man sich in jedem Fall freihalten!  

Aufzeichnungen der Vorträge werden in den kommenden Tagen auf den Holcim Kanälen bereitgestellt.