Renotherm-Einsatz im Zementwerk Höver

 
Renotherm: Zementwerk Höver plant Einsatz eines neuen Ersatzbrennstoffes und den Bau einer neuen Annahme- und Förderanlage

 

Zwischenstand September 2018 - Das Zementwerk Höver plant ab Ende 2019 den regelmäßigen Einsatz des Ersatzbrennstoffes Renotherm. Bereits im November 2003 wurden in einem Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung auch Stoffe mit dem Abfallschlüssel 190204* genehmigt, unter den auch der Ersatzbrennstoff Renotherm fällt.

Für den Renotherm-Einsatz soll auf dem Werksgelände in Höver eine Annahme- und Förderanlage errichtet werden. Diese Anlage ist nun Gegenstand eines weiteren neuen immissionsrechtlichen, öffentlichen Genehmigungsverfahrens, für das aber Stand Ende September 2018 die im Verfahren vorgeschriebene Beteiligung der Öffentlichkeit noch nicht offiziell gestartet ist.

Das Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Hannover hat die Federführung bei diesem Verfahren. Holcim hat am 21. März 2018 den Genehmigungsantrag für die Anlage eingereicht und hält sich an alle geforderten gesetzlichen Pflichten im Rahmen des weiteren Verfahrens. In der Zwischenzeit hatte die Behörde von anderen Stellen noch Stellungnahmen in Bezug auf die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeholt. Ende September 2018 liegen noch nicht alle für das Verfahren nötigen Unterlagen in der Behörde vor. Erst wenn die notwendigen Unterlagen vollständig und die Nachforderungen damit erfüllt sind, startet offiziell das normale und transparente öffentliche Genehmigungsverfahren: Zunächst erfolgt dann im Rathaus Sehnde eine einmonatige öffentliche Auslegung, der dann eine vierwöchige Einwendungsfrist für jedermann folgt. Diese Stellungnahmen werden später auch dem Unternehmen zugesendet. Zudem ist im Anschluss ein öffentlicher Erörterungstermin geplant.

Holcim strebte bereits im Vorfeld dieses Verfahrens ausdrücklich die größtmögliche Einbindung der Öffentlichkeit an. Deshalb haben bereits Ende November 2017 Fachleute von Holcim auf einer Ortsratssitzung sowohl über die überwachte Abfallvorbereitung beim Lieferanten Remondis in Bramsche als auch über die spätere kontrollierte Anlieferung und den Einsatz im Zementwerk (Annahme- und Förderanlage, Verbrennung im Drehrohrofen) sowie die zu erwartenden Umweltauswirkungen und die Genehmigungslage berichtet. Zudem wurde eine entsprechende Pressemeldung veröffentlicht und an die lokale Presse verteilt. Außerdem wurde auch der Planungsausschuss der Stadt Sehnde während turnusmäßiger Sitzungen, an denen auch die Öffentlichkeit zugelassen und anwesend war, umfangreich über das Vorhaben informiert. Ferner hat Holcim im August 2018 die Umweltdaten für das Jahr 2017 veröffentlicht und für Höver an verschiedenen Stellen über das geplante Renotherm-Projekt informiert. Anfang September wurden zudem beim Tag der offenen Tür des Zementwerkes Fragen der Bürger zu Renotherm ausführlich am Infostand beantwortet.

 

Hintergrundinformationen zum Einsatz von Renotherm 
Die Zementherstellung ist brennstoff- und rohstoffseitig ein sehr ressourcenintensiver Prozess. Die effiziente Nutzung natürlich vorkommender Rohstoffe wie Mergel, Ton und Sand sowie fossiler Brennstoffe wie Kohle bildet deswegen einen wichtigen Eckpfeiler unserer Umweltpolitik. Wo immer dies möglich ist, setzen wir daher speziell aufbereitete Abfälle als alternative Roh- und Brennstoffe anstelle natürlicher Ressourcen ein. Damit schonen wir fossile Brennstoffe, natürliche Rohstoffe und schließen Stoffkreisläufe. Der Ersatz des natürlich vorkommenden Brennstoffs Kohle durch geeignete alternative Brennstoffe wie Renotherm ist aufgrund der spezifischen Eigenschaften unseres Produktionsprozesses äußerst sinnvoll, denn Renotherm stellt eine wichtige, Ersatzbrennstoffkomponente für die Zementherstellung dar. Der Renotherm-Einsatz ergänzt damit den in Höver vor mehr als 25 Jahren eingeschlagenen Weg, mit Hilfe von Ersatzbrennstoffen, traditionelle, fossile Brennstoffe zu ersetzen. Lieferant des speziell aufbereiteten Ersatzbrennstoffes Renotherm wird die Firma Remondis sein.

Die Firma Remondis betreibt in Bramsche eine genehmigte Abfallbehandlungsanlage. In dieser Anlage werden verschiedene Abfälle, wie z.B. Farb- und Lackschlämme aus der Automobilindustrie, in einem speziell auf die spätere Verwertung in der Drehofenanlage des Werkes Höver angepassten Verfahren mit Sägespänen vermischt. Ziel des Verfahrens ist, einen gleichmäßigen, homogen Ersatzbrennstoffstrom zu gewährleisten. Dabei werden stets die Gefahren und Risiken berücksichtigt, die von den gelieferten Abfällen im Einzelnen und von denen im Gemisch ausgehen. Bereits ab dem Jahr 2004 wurde im Werk Höver probeweise Renotherm - allerdings in einer anderen Güte und mit anderen Merkmalen - über bestehende, dafür ebenfalls genehmigte Fluffanlagen einsetzt. Das Schwesterwerk Lägerdorf in Schleswig-Holstein hat mit dem Einsatz von Renotherm bereits seit fast 20 Jahren gute Erfahrungen.

Die Auswahl dieses zu verwertenden Ersatzbrennstoffes erfolgt somit nicht willkürlich. Sie ist eng gebunden an die für die Herstellung des Qualitätsproduktes Zement erforderlichen stofflichen Voraussetzungen und unterliegt einem streng geregelten Genehmigungs- verfahren. Im Drehofen des Zementwerkes herrschen Flammtemperaturen von bis zu 2000°C und eine lange Verweilzeit von bis zu 5 Sekunden (und 45 Minuten im Brenngut), so dass außerordentlich günstige Bedingungen für die vollständige Zersetzung der organischen, zum Teil giftigen Stoffe vorliegen. Unter Aufsicht des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Hannover wurden und werden durch das Forschungsinstitut der Zementindustrie in Düsseldorf jährlich Emissions-Einzelmessungen an der Drehofenanlage durchgeführt. Dabei wurden stets die gesetzlichen Auflagen eingehalten. Besondere Berücksichtigung findet der Brand- und Explosionsschutz bei der Planung der Renothermanlage. So wurde bereits in einem frühen Planungsstadium ein Experte des TÜV mit der Begleitung des Planungsprozesses beauftragt. Dessen Empfehlungen sind bindend und werden wie die obligatorische Umweltweltverträglichheitsvorprüfung Gegenstand eines Genehmigungsverfahrens unter Beteiligung der Öffentlichkeit sein.