Rohstoffsicherung für das Zementwerk Lägerdorf

Zwischenstand Dezember 2019

 

Was ist geplant?
Seit über 150 Jahren wird in Lägerdorf bereits Kreide als Rohstoff für die Zementproduktion abgebaut. Im Jahr 2000 wurde westlich von Lägerdorf das Erweiterungs­gebiet Grube Heidestraße aufgeschlossen und ist derzeit im Abbau. Die Kreide wird hier von der Holcim (Deutschland) GmbH mit Schaufelradbaggern abgebaut, zu Schlamm verarbeitet und über eine Pipeline ins Zementwerk gepumpt. Bei dem derzeitigen Verbrauch reichen die Vorräte für die Zementproduktion voraussichtlich bis 2038 – also noch knapp 20 Jahre. Im Gebiet Heidestraße werden nach dem Abbau die Wasserpumpen abgestellt, sodass sich ein circa 170 Hektar großer „Kreidesee“ über die ehemaligen Gruben Heidestraße und Schinkel ausbilden wird.

Ab etwa 2035 soll das Abbaugebiet in den Osten Lägerdorfs, nach Moorwiese/Moorstücken, verlagert werden, um auch weiterhin die Rohstoffversorgung des Zementwerks für mindestens 60 Jahre sicherzustellen. Diese Fläche ist bereits seit vielen Jahren landesplanerisch als Vorranggebiet für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe­ ausgewiesen.


Was ist in den vergangenen Jahren passiert?
„Die Rohstoffsicherung ist stets mit einem langfristigen Vorbereitungs- und Planfeststellungsverfahren verbunden. Deshalb wurden seit 2017 verschiedene notwendige und teilweise sehr zeitintensive Vorarbeiten durchgeführt”, erklärt Werksleiter Torsten Krohn. „Im Rahmen umfangreicher Erkundungen haben wir uns zunächst einen verbesserten Wissensstand über die anliegende Geologie – also Rohstoffe wie Torf, Sande, Mergel, Kreide und Salz – im geplanten Abbaugebiet verschafft”, erläutert Martin Peters, Rohstoffingenieur und Holcim Projektleiter Erweiterung Moorwiese/Moorstücken. „Dazu wurden seit Frühjahr 2017 von einem Dienstleister im Bereich Moorwiese/Moorstücken verschiedene Untersuchungen (u.a. Trockenbohrungen, Spülbohrungen, Rammkernsondierungen, Spitzendrucksondierungen) vorgenommen. Sofern aufgrund der angewandten Sondierungssart Proben angefallen sind, wurden diese im Anschluss chemischen und physikalischen Analysen unterzogen. Auf Basis der so gewonnenen Informationen können wir – zusammen mit vielen bereits vorliegenden Informationen – einen ersten Entwurf einer Vorhabensbeschreibung für die Erschließung von Moorwiese/Moorstücken entwickeln. Darin muss der aus dem Vorhaben mögliche Einfluss auf die umliegenden Güter ersichtlich sein. Ziel ist es, auf dieser Basis ein „­Scoping" mit der Planfeststellungsbehörde und der weiteren Fachöffentlichkeit durchzuführen, in welchem der Untersuchungsrahmen und -umfang des für die Planfeststellungsunterlagen benötigten Umweltverträglichkeits­prüfungsberichts festgelegt werden kann. Die detaillierte Vorhabensbeschreibung wird nach dem Scopingtermin, parallel zu den Umweltverträglichkeitsuntersuchungen, aufgestellt”, so Martin Peters.

Seit 2017 wurde verstärkt mit verschiedenen Anspruchsgruppen und Personen zum Thema Rohstoffsicherung gesprochen. Die Bürgermeister der an der zukünftigen Grube anliegenden Gemeinden sind ebenso informiert wie verschiedene Ämter und Verbände. Zudem wurden in den vergangenen Monaten weitere Ämter, Verbände und Gruppen kontaktiert. Über Berichte in der Lokalzeitung sowie im Rahmen verschiedener Ortstermine bei den Bohrungen und weiteren Zusammenkünften wurden die aktuellen Zwischenstände kommuniziert. „Wir werden auch weiterhin offen und transparent über die nächsten Schritte informieren”, erklärt Martin Peters.


Wie geht es in der kommenden Zeit weiter?
Derzeit befindet sich Holcim noch in der Bearbeitung der letzten geologischen Untersuchungen und Analysen sowie der Erarbeitung eines ersten Entwurfs der Vorhabensbeschreibung. In den letzten Monaten wurde in Diskussion mit Behörden und Zweckverbänden sowie durch teilweise noch andauernde Untersuchungen herausgearbeitet, welche Fragen für das Vorhaben noch geklärt werden müssen. Der letzte zu klärende Punkt war die Frage, wie der Breitenburger Kanal bei der Erschließung der Grube berücksichtigt wird. Dazu wurden verschiedene Varianten betrachtet. Eine mögliche Option ist die Verlegung des Kanals in Richtung Westen. In der folgenden Abbildung ist neben den bereits vorgestellten vorläufigen Planungsparametern auch die westliche Verlegung skizziert.

 

 

Somit sehen die Eckpunkte des Abbaukonzepts wie folgt aus: Betriebswasserspiegel bei ca. -15 Meter; Trockengewinnung oberhalb des Betriebswasserspiegels und Nassgewinnung darunter; Abschnittsweiser Aufschluß der Fläche von Süden startend; Verlegung des Breitenburger Kanals in den Westen. Dieses Konzept ist die Basis für die weiteren Planfeststellungsschritte. Es wird im nächsten Schritt in einem sogenannten Scoping den zuständigen Trägern öffentlicher Belange vorgestellt. Im Scopingtermin werden dann die Untersuchungen für die im weiteren Planfeststellungsverlauf benötigte Umweltverträglichkeitsprüfung festgelegt. Parallel wird die detaillierte Vorhabensplanung entwickelt.

„Wir befinden uns jetzt in der Abstimmung mit den zuständigen Behörden und sind zuversichtlich, dass der Scopingtermin im ersten Quartal 2020 stattfinden kann, um den möglichen Einfluss auf verschiedene Güter zu erkennen. In den Folgejahren steht dann zunächst eine umfangreiche, detaillierte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) an, bei der alle Beeinträchtigungen auf die Umwelt (Luft, Lärm, Wasser, Licht usw.) untersucht und deren Auswirkung gutachterlich bewertet werden. Parallel dazu wird dann eine detaillierte Vorhabensbeschreibung als wichtiger Teil der einzureichenden Planfeststellungsunterlagen verfasst. Erst wenn hier alle Informationen eingeholt und ausgewertet sind sowie offene Fragen geklärt wurden, folgen die weiteren Verfahrensschritte, wie etwa die offizielle Einreichung des Antrags zur Planfeststellung. Unser Ziel ist, in etwa zehn Jahren den Planfeststellungsbeschluss in den Händen zu halten”, sagt Torsten Krohn.


Werk Lägerdorf im Überblick
Seit über 150 Jahren wird am Standort Lägerdorf Zement produziert. Aus der Region für die Region: Ohne qualitativ hochwertigen Zement kein Beton. Und ohne Beton keine Bauwerke wie Einfamilienhäuser, Schulen, Brücken, Abwassersysteme, Autobahnen oder Hafenanlagen. Zum Jahresende 2018 waren im Werk der Holcim (Deutschland) GmbH rund 300 Mitarbeitende beschäftigt. Über 30 Jugendliche durchlaufen hier gerade eine gewerbliche oder kaufmännische Ausbildung. Hinzu kommen noch zwei duale Studenten der Nordakademie. Die Leitung des Werkes liegt seit Juni 2018 in den Händen von Torsten Krohn. Auf dem Werksgelände arbeiten noch weitere Mitarbeiter der Holcim Deutschland Gruppe aus den Bereichen Einkauf, Personal, Gesteinskörnungen, Geocycle und Betontechnologie. Das Zementwerk ist auch Projektpartner in einem Reallabor zur Energiewende: Hierzu mehr Infos unter www.westküste100.de

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