Rohstoffsicherung für das Zementwerk Lägerdorf

Zwischenstand April 2020

 

Was ist geplant?
Seit über 150 Jahren wird in Lägerdorf bereits Kreide als Rohstoff für die Zementproduktion abgebaut. Im Jahr 2000 wurde westlich von Lägerdorf das Erweiterungs­gebiet Grube Heidestraße aufgeschlossen und ist derzeit im Abbau. Die Kreide wird hier von der Holcim (Deutschland) GmbH mit Schaufelradbaggern abgebaut, zu Schlamm verarbeitet und über eine Pipeline ins Zementwerk gepumpt. Bei dem derzeitigen Verbrauch reichen die Vorräte für die Zementproduktion voraussichtlich bis 2038 – also noch knapp 20 Jahre. Im Gebiet Heidestraße werden nach dem Abbau die Wasserpumpen abgestellt, sodass sich ein circa 170 Hektar großer „Kreidesee“ über die ehemaligen Gruben Heidestraße und Schinkel ausbilden wird.

Ab etwa 2035 soll das Abbaugebiet in den Osten Lägerdorfs, nach Moorwiese/Moorstücken, verlagert werden, um auch weiterhin die Rohstoffversorgung des Zementwerks für mindestens 60 Jahre sicherzustellen. Diese Fläche ist bereits seit vielen Jahren landesplanerisch als Vorranggebiet für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe­ ausgewiesen.


Was ist in den vergangenen Jahren passiert?
„Die Rohstoffsicherung ist stets mit einem langfristigen Vorbereitungs- und Planfeststellungsverfahren verbunden. Deshalb wurden seit 2017 verschiedene notwendige und teilweise sehr zeitintensive Vorarbeiten durchgeführt”, erklärt Werksleiter Torsten Krohn. „Im Rahmen umfangreicher Erkundungen haben wir uns zunächst einen verbesserten Wissensstand über die anliegende Geologie – also Rohstoffe wie Torf, Sande, Mergel, Kreide und Salz – im geplanten Abbaugebiet verschafft”, erläutert Martin Peters, Rohstoffingenieur und Holcim Projektleiter Erweiterung Moorwiese/Moorstücken. „Dazu wurden seit Frühjahr 2017 von einem Dienstleister im Bereich Moorwiese/Moorstücken verschiedene Untersuchungen (u.a. Trockenbohrungen, Spülbohrungen, Rammkernsondierungen, Spitzendrucksondierungen) vorgenommen. Sofern aufgrund der angewandten Sondierungssart Proben angefallen sind, wurden diese im Anschluss chemischen und physikalischen Analysen unterzogen. Auf Basis der so gewonnenen Informationen können wir – zusammen mit vielen bereits vorliegenden Informationen – einen ersten Entwurf einer Vorhabensbeschreibung für die Erschließung von Moorwiese/Moorstücken entwickeln. Darin muss der aus dem Vorhaben mögliche Einfluss auf die umliegenden Güter ersichtlich sein. Ziel ist es, auf dieser Basis ein „­Scoping" mit der Planfeststellungsbehörde und der weiteren Fachöffentlichkeit durchzuführen, in welchem der Untersuchungsrahmen und -umfang des für die Planfeststellungsunterlagen benötigten Umweltverträglichkeits­prüfungsberichts festgelegt werden kann. Die detaillierte Vorhabensbeschreibung wird nach dem Scoping-Termin, parallel zu den Umweltverträglichkeitsuntersuchungen, aufgestellt”, so Martin Peters.

Seit 2017 wurde verstärkt mit verschiedenen Anspruchsgruppen und Personen zum Thema Rohstoffsicherung gesprochen. Die Bürgermeister der an der zukünftigen Grube anliegenden Gemeinden sind ebenso informiert wie verschiedene Ämter und Verbände. Zudem wurden in den vergangenen Monaten weitere Ämter, Verbände und Gruppen kontaktiert. Über Berichte in der Lokalzeitung sowie im Rahmen verschiedener Ortstermine bei den Bohrungen und weiteren Zusammenkünften wurden die aktuellen Zwischenstände kommuniziert.

In den vergangenen Wochen hat Holcim noch die letzten geologischen Untersuchungen und Analysen sowie der Erarbeitung eines ersten Entwurfs der Vorhabensbeschreibung bearbeitet. In den letzten Monaten wurde in Diskussion mit Behörden und Zweckverbänden sowie durch teilweise noch andauernde Untersuchungen zudem herausgearbeitet, welche Fragen für das Vorhaben noch geklärt werden müssen. Der letzte zu klärende Punkt war beispielsweise die Frage, wie der Breitenburger Kanal bei der Erschließung der Grube berücksichtigt wird. Dazu wurden verschiedene Varianten betrachtet. Eine mögliche Option ist die Verlegung des Kanals in Richtung Westen. In der folgenden Abbildung ist neben den bereits vorgestellten vorläufigen Planungsparametern auch die westliche Verlegung skizziert.

Zementwerk Lägerdorf Rohstoffsicherung 01

 

Somit sehen die Eckpunkte des Abbaukonzepts wie folgt aus: Betriebswasserspiegel bei ca. -15 Meter; Trockengewinnung oberhalb des Betriebswasserspiegels und Nassgewinnung darunter; Abschnittsweiser Aufschluß der Fläche von Süden startend; Verlegung des Breitenburger Kanals in den Westen. Dieses Konzept ist nun die Basis für die weiteren Planfeststellungsschritte.


Wie geht es in der kommenden Zeit weiter?
Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur Rohstoffsicherung Moorwiese/Moorstücken findet eine Prüfung der Umweltverträglichkeit des Vorhabens statt.

Bevor die Umweltverträglichkeitsprüfung startet, ist ein vorgeschalteter Scoping-Termin notwendig - ein Termin Anfang April 2020 wurde aufgrund der Coronakrise auf unbestimmte Zeit verschoben: Der notwendige Un­tersuchungsrahmen der Prüfung wird hier in einem Fachgespräch zwischen dem Vorha­bensträger Holcim, den beteiligten Behörden, zugezogenen Sachverständigen, Umweltverbän­den und Bürgerinitiativen eingehend besprochen. Im Mittelpunkt stehen Gegenstand, Umfang und Methoden der Umweltverträglichkeitsprüfung sowie sonstige für die Durchführung relevante Fragen. Es erfolgt noch keine inhaltliche Prüfung der Umweltverträglichkeit.

Der Scoping-Termin ist noch nicht die Öffentlichkeitsbeteiligung in dem Planfeststellungsverfahren. Mögliche Ein­wendungen der Bürgerinnen und Bürger zu den Vorhaben werden in einem gesonderten Erörterungs­termin behandelt. Dieser wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, nachdem die An­tragsunterlagen öffentlich ausgelegen haben.

Vor Beginn des Verfahrens zur Umweltverträglichkeitsprüfung teilt die zuständige Behörde dem Antragsteller Holcim dann in einem Schreiben das Ergebnis des Scoping-Termins mit: Inhalt und Umfang der Unterlagen, die Holcim zu den Umweltauswirkungen des Vorhabens vorzulegen hat.

In den Folgejahren steht dann eine umfangreiche, detaillierte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), bei der alle Beeinträchtigungen auf die Umwelt (Luft, Lärm, Wasser, Licht usw.) untersucht und deren Auswirkung gutachterlich bewertet werden. Parallel dazu wird dann eine detaillierte Vorhabensbeschreibung als wichtiger Teil der einzureichenden Planfeststellungsunterlagen verfasst. Erst wenn hier alle Informationen eingeholt und ausgewertet sind sowie offene Fragen geklärt wurden, folgen die weiteren Verfahrensschritte, wie etwa die offizielle Einreichung des Antrags zur Planfeststellung. “Unser Ziel ist es, im Jahr 2029 den Planfeststellungsbeschluss in den Händen zu halten”, sagt Werksleiter Torsten Krohn.

Neben der formal vorgesehenen Beteiligung der Öffentlichkeit wird Holcim die Menschen aus den benachbarten Ortschaften wie bisher regelmäßig informieren. Dazu Werksleiter Torsten Krohn: „Bereits seit 2017 haben wir Politik, Medien und interessierte An­wohner unter anderem über die Abläufe des Planfeststellungsverfahrens und die geplanten organisatorischen und technischen Maß­nahmen zur Vorbereitung auf die Rohstoffsicherung informiert. Dies werden wir fortsetzen.” Projektleiter Martin Peters ergänzt: Darüber hinaus planen wir, ein Dialogforum einzurichten, in dem wir regelmäßig mit einem Teilnehmerkreis zusam­menkommen und über ausgewählte Themen des Rohstoffabbaus sprechen. Der Auftakt soll im Herbst dieses Jahres sein“.

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