Holcim und Cool Planet Technologies entwickeln eine Carbon Capture Anlage in Deutschland

19 Oktober 2021
 

Cool Planet Technologies Limited (CPT), ein Unternehmen aus dem Bereich nachhaltige Technologien und fokussiert auf kostengünstige CO2-Abtrennung und sein Partner, das Helmholtz-Zentrum Hereon, haben mit Holcim Deutschland GmbH (Holcim), einem der führenden Unternehmen für innovative und nachhaltige Baustofflösungen, eine Absichtserklärung abgeschlossen, um eine CO2 Abscheideanlage basierend auf Hereons PolyActive™ Membrantechnologie in Holcims Zementwerk in Höver, in der Nähe von Hannover zu errichten.

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Foto: Hereon/Torsten Brinkmann

Die Zielsetzung des Anlagenbetriebs ist es, Leistung, Wirtschaftlichkeit und Einsatzverhalten im größerem Maßstab zu demonstrieren. Im Anschluss werden die Partner anstreben, einen Rahmen für die Implementierung der Technologie in anderen deutschen Zementwerkstandorten von Holcim zu etablieren.  

Die Aufnahme des Versuchsbetriebs ist für das erste Quartal 2022 geplant. In einer ersten Phase des Projekts -mit einem geplanten Start im zweiten Quartal 2023 – sollen 5600 Tonnen CO2 pro Jahr abgeschieden werden. Falls erfolgreich, soll die Anlage in zwei weiteren Phasen, geplant für 2024 und 2026, so erweitert werden, dass 170.000 bzw. 1,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr abgetrennt werden können. Die finale Ausbaustufe wird in der Lage sein, 90 Prozent der CO2 Emissionen der Anlage in Höver abzutrennen und hochreines CO2 in flüssiger Form zu liefern für Sequestrierung oder Nutzung.  

CPT kollaboriert mit dem Hereon, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, Deutschlands größter außeruniversitärer Forschungsinstitution, um die PolyActive™ Membrantechnologie nach einem Jahrzehnt der Entwicklung zu kommerzialisieren. Diese Technologie wurde entwickelt, um CO2 aus Gasströmen abzutrennen und bereits erfolgreich im Labor und in Pilotstudien in zwei Kohlekraftwerken im Rahmen der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekte METPORE II (Förderkennzeichen 03ET2016) und MemKoR (Förderkennzeichen 03ET7064) erprobt.  

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Foto: Hereon/Torsten Brinkmann

Die Membrantechnologie nutzt ein selektives Material, welches den Durchtritt von CO2 im Vergleich zu anderen Gaskomponenten bevorzugt erlaubt. Verglichen mit anderen CO2 Abtrenntechnologien ist die Anlage kompakt, verbraucht deutlich weniger Energie und benötigt keine zusätzlichen Chemikalien für ihren Betrieb. Die Membrantechnologie kann kostengünstig installiert und betrieben werden. Weiterhin ist sie einfach skalierbar und kann so an vielfältige Anwendungen angepasst werden. Diese Technologie ist sehr gut dafür geeignet, um existierende Anlagen mit ihr nachzurüsten oder sie direkt als integralen Teil von Neuanlagen vorzusehen. Membrantechnologie kann schnell an- und abgefahren werden und zeichnet sich so durch einen hohen Grad an Flexibilität aus.  

Die Membrantechnologie des Hereons wird das Herzstück des Prozesses in Höver sein, das ebenfalls erprobte Standartverfahren aus der Petrochemie und Tieftemperaturtechnologie nutzen wird. CPT wird der Entwickler, Betreiber und Eigentümer im Carbon-Capture-Sektor sein, welcher eng mit den CO2 emittierenden Industrien in Europe und global zusammenarbeitet um bezahlbare, kostengünstige CO2 Abtrennprozesse zu realisieren.  


Andrew Corner, Managing Director CPT:  

“Wir sind hoch erfreut, mit Holcim zusammen zu arbeiten und so zu helfen, seine CO2 Emissionen zu senken. Zement wird für Jahrhunderte ein wichtiger Baustoff bleiben und somit ist die Dekarbonisierung seiner Herstellung ein essentieller Beitrag zum Erreichen von Netto-Null. Die Technologie von CPT und Hereon wird mehr als 90 Prozent des in Höver emittierten CO2s abtrennen. CPT ist entschlossen, kostengünstige Lösungen für die Industrien anzubieten, die schwer zu dekarbonisieren sind. Wir glauben, dass unsere Technologie die Kosten der CO2 Abtrennung signifikant reduzieren und dazu beitragen wird, kommerzielle Carbon Capture Einrichtungen zu etablieren.“  

Torsten Brinkmann, Leiter der Abteilung Verfahrenstechnik des Hereon Instituts für Membranforschung:  

„Membrantechnologie ist ideal dafür geeignet, drängende Fragen resultierend aus dem Klimawandel und Wandel der industriellen Rohstoffbasis in den nächsten Jahren zu adressieren. Sie erlaubt die Behandlung von Gasströmen durch Nutzung einer einfachen und energieeffizienten Separationstechnologie. Die Abtrennung von CO2 aus diversen Gasströmen war ein Forschungsfokus am Hereon in den vergangenen Jahren. Die von einem interdisziplinären Forschungsteam entwickelten Membran-, Membranmodul- und Verfahrenstechnologien wurden in der energieerzeugenden Industrie erfolgreich getestet und sind nun bereit für den nächsten Schritt in Richtung Dekarbonisierung der Industrie, zusammen mit Holcim und CPT.“ 

Arne Stecher, Head of Decarbonization für Holcim Deutschland GmbH:  

„Carbon Capture wird in der nahen Zukunft eine Notwendigkeit für Zementwerke sein. Daher suchen wir nach der besten Carbon Capture Technologie. „Die Beste“ heißt für uns: einfach, skalierbar und adaptierbar an viele Zementanlagen bei gleichzeitig den geringsten möglichen Produktionskosten, um damit auch nachfolgende Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Der membranbasierte Ansatz von Cool Planet Technologies ist eine vielversprechende Lösung, daher sind wir und unsere Partner auf dem Weg, die Einsatzfähigkeit erheblich zu verbessern.“  


Weitere Informationen:  

Andrew Corner, Cool Planet Technologies Limited Tel: +44 7973 228061 

Torsten Brinkmann, Helmholtz-Zentrum Hereon Tel: +49 4152 87 2400 

Arne Stecher , Holcim Deutschland GmbH Tel: +49 4828-60-300 

 

Über Cool Planet Technologies Limited  

Cool Planet Technologies Limited (CPT) wurde 2019 gegründet um neue Umweltschutztechnologien zu kommerzialisieren. Das Unternehmen besitzt ein starkes Managementteam mit Hintergründen aus der Öl- und Gasindustrie sowie der Technologie für glasfaserverstärkte Kunststoffrohre. Das Team besitzt Erfahrungen in der Produktentwicklung und Fertigungstechnologien sowie im Management von großen Industrieprojekten.

Der Fokus des Unternehmens ist die Abtrennung von CO2 mit PolyActive™ Membrantechnologie. Wir hoffen, dass eine erfolgreiche Demonstration der Technologie in Höver zu weiteren Umsetzungsmöglichkeiten in den ca. 180 Fertigungsanlagen der Holcim Gruppe weltweit führen wird. Die Technologie ist speziell geeignet für Industrien mit hohen CO2 Emissionen wie Zement, Eisen und Stahl, Chemie und Kohlekraftwerke.

Das Unternehmen plant, seine eigene Membran- und Modulherstellung in einer Produktionsstätte in Deutschland umzusetzen.

Das CPT Team plant, seine Erfahrung in der Öl- und Gasindustrie einzusetzen, um eine Komplettlösung von CO2 Abtrennung bis zur Sequestrierung in ausgebeuteten Öl- und Gasfeldern zu entwickeln, speziell in der Nordsee.  


Über das Helmholtz-Zentrum Hereon  

Das Helmholtz-Zentrum Hereon betreibt internationale Spitzenforschung für eine Welt im Wandel: Rund 1.100 Beschäftigte erschaffen Wissen und Innovationen für mehr Resilienz und Nachhaltigkeit. Das wissenschaftliche Spektrum des Hereons umfasst Hochleistungswerkstoffe, Verfahren und umweltschonende Technologien für die Mobilität und neue Energiesysteme. Darüber hinaus werden Biomaterialien für die Medizin und zur Steigerung der Lebensqualität erforscht. Mithilfe von Forschung und Beratung begegnet das Hereon den Herausforderungen des Klimawandels lösungsorientiert und ermöglicht über ein umfassendes wissenschaftliches Verständnis ein nachhaltiges Management und den Schutz der Küsten- und Meeresumwelt. Grundlegend verstehen, praxisnah anwenden – das interdisziplinäre Forschungsspektrum deckt eine einzigartige Bandbreite ab.  

Als Teil eines internationalen Netzwerks und im Verbund der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Hereon mit dem Transfer seiner Expertise Institutionen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Zukunft zu gestalten. In Schleswig-Holstein ist das 1956 gegründete Zentrum die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Neben dem Hauptsitz in Geesthacht und dem Standort Teltow bei Berlin hat das Hereon Außenstellen in Hamburg, Kiel, Berlin und Garching bei München.